Stacks Image 4



Sie wächst in einem Elternhaus auf, welches mütterlicherseits stark geprägt ist durch einen religiösen Dogmatismus. Ihre freiheitsliebende und rebellische Veranlagung kann sich nicht entwickeln, da das Ausleben dieser den vorgegebenen Rahmen gefährden würde. Sie unterdrückt ihre wilde und egoistische Seite, büsst dafür aber die Akzeptanz unter Gleichaltrigen ein. Der starke Wunsch nach Anschluss und Anerkennung wird sie ein Leben lang begleiten. Ihr Drang nach Selbstausdruck wird vorerst durch die vorgegebenen Normen und Erwartungen unterdrückt. Sie wird zeitlebens damit Mühe haben, ihre Bedürfnisse direkt zu äussern. Auch Schuldgefühle bei verborgenen Wünschen werden immer wieder Thema sein. Jahrzehntelang hält sie sich an die gelernten Verhaltensnormen und lebt ihre Rolle der Ehefrau und Mutter. Zunehmend werden jedoch die Widersprüchlichkeiten zwischen ihrem eigentlichen Wesen und der Situation, in der sie sich befindet grösser. Sie wird unzufrieden, sucht immer stärker nach Möglichkeiten auszubrechen, widersetzt sich fast provokativ den Erwartungen, die an sie herangetragen werden. Es gibt für sie letztlich nur noch die Flucht aus dem Gefängnis, in das sie ihr Lebensweg geführt hat. Die Befreiung setzt derart starke Kräfte frei, dass jegliche inneren und äusseren Hemmungen und Skrupel weggespült werden. Die gewaltsame Rebellion gegen die Rolle, die sie jahrzehntelang gegen innere Widerstände übernommen hatte, fühlt sich an wie eine Neugeburt. Das frühere Leben gibt es nicht mehr.