Sie kämpfte gegen die zunehmend grösser werdende Angst an, im Leben nie wirklich sich selbst gewesen zu sein und das Leben dabei zu verpassen, falls sie nichts ändert. Aus ihrer Sicht fühlte sich die Trennung wie ein Befreiungsschlag an, um die eigene Identität zu retten. Sie hatte diesen Schritt jahrelang im Kopf durchgespielt und war letztlich zum Schluss gekommen, dass die Weiterführung der Beziehung für sie nicht mehr tragbar war. Die Entscheidung setzte sie konsequent um und brach alle Brücken hinter sich ab. Die neue Partnerin bietet ihr die Sicherheit und Reife, die sie in der Vergangenheit selbst für andere aufbringen musste. Dahinter steckt die Sehnsucht nach jemandem, der weiser als sie ist und einen schützenden, mütterlichen Raum bietet. Die Zuwendung zu einer Frau ist auch ein Akt der Befreiung von gesellschaftlichen und familiären Erwartungen. Es ist der radikale Versuch, eine Seite ihrer Identität zu leben, die sie jahrzehntelang unterdrückt oder gar nicht wahrgenommen hatte. Sie sucht in der neuen Beziehung eine Spiegelung ihrer selbst, einen sicheren Hafen, in dem sie sich nicht mehr um die täglichen Kämpfe kümmern muss, sondern sich fallen lassen kann. Es ist für sie der ultimative Beweis ihrer neuen Autonomie. Sie wählt diesen Weg, um sicherzugehen, dass sie wirklich neu anfängt.