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Die Konstellation von ihr beschreibt ein extrem spannungsgeladenes inneres Erleben, bei dem die Grundbedürfnisse nach Geborgenheit und Freiheit durch massive Blockaden oder Pflichten unterdrückt werden. Ein radikaler Bruch mit der Familie ist in einem solchen Fall oft ein Befreiungsschlag aus einer als unerträglich empfundenen Enge. Es kann sich als Gefühl von Überforderung oder ‘Gefangenschaft’ in der Rolle als Ehefrau und Mutter äussern. Emotionen werden oft als Belastung wahrgenommen, was im Extremfall zu einer inneren Distanzierung führt, bis nur noch die Flucht als Ausweg erscheint. Es prallen das Bedürfnis nach Sicherheit und Struktur und der Drang nach radikaler Erneuerung und Unabhängigkeit hart aufeinander. Menschen mit diesem Aspekt erleben oft Phasen extremer Anpassung, die plötzlich in Rebellion umschlagen. Das Verlassen der Familie ohne Rücksicht auf Verluste ist der Versuch, die Ketten gewaltsam zu sprengen. Sie fühlte sich vermutlich zwischen emotionaler Leere und dem Wunsch nach einem komplett neuen Leben zerrieben. Ein solcher Ausbruch wird oft als notwendige, wenn auch schmerzhafte Bilanzierung erlebt. Das Ausbrechen war weniger ein ‘Wollen’ als vielmehr ein ‘Müssen’, um nicht an der inneren Zerreissprobe zu zerbrechen. Eigentlich strebt sie normalerweise nach extremer Beständigkeit, materieller Sicherheit und einem gemütlichen Heim. Sie fühlte sich in ihrem Zuhause wahrscheinlich eingesperrt. Die Flucht resultierte aus der Überzeugung, dass dies die einzige Chance auf ein authentisches Leben sei. Sie war emotional erschöpft, hatte schlicht keine Kraft mehr, die ‘gute Miene zum bösen Spiel’ aufrechtzuerhalten. Sie ging, weil der Druck so hoch war, dass sie ihre psychische Gesundheit nur durch eine totale Trennung schützen konnte. Die Rücksichtslosigkeit ist oft eine Schutzmauer, um nicht wieder in die alten Verpflichtungen zurückgezogen zu werden. Die aktuelle Sicherheit resultiert daraus, dass die ständige emotionale Kontrolle und das Pflichtgefühl weggefallen sind. Sie kann nicht im Chaos leben. Die Sicherheit, die sie jetzt spürt, ist die Autonomie, über ihre eigenen Ressourcen zu verfügen, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Sie erlebt vermutlich eine Art ‘Hochgefühl’ der Unabhängigkeit. Sie hängt der Illusion nach, dass die alten Bindungen sie nur ‘festgehalten’ haben und sie jetzt endlich bei sich selbst angekommen ist. Das Problem ist, dass man sich mitnimmt, egal wohin man geht. Momentan schützt sie sich durch ‘Rücksichtslosigkeit’ vor dem Schmerz. Es wird die Frage sein, ob die neue Sicherheit stabil genug ist, um der aufkommenden Einsamkeit oder den Schuldgefühlen standzuhalten. Diese ‘emotionale Abschaltung’ ist ein klassischer Schutzmechanismus. Die Distanz ist keine Bosheit, sondern ein emotionaler Überlebensmodus. Würde sie Mitgefühl oder Reue zulassen, würde die Mauer einstürzen und sie müsste den massiven Druck der Verantwortung wieder spüren. Sie kann Verbindungen kappen, als gäbe es kein Zurück. Es wirkt wie ein chirurgischer Schnitt, durch den sie sich innerlich von der alten Identität als Ehefrau und Mutter entfremdet. Sie betrachtet die Vergangenheit momentan fast wie eine Beobachterin, nicht wie eine Beteiligte. Eigentlich strebt sie nach Harmonie. Wenn sie diese so radikal zerstört, ist der einzige Weg, damit zu leben, die totale Abspaltung. Jedes Gespräch, das Emotionen fordert, wird von ihr als Angriff auf ihre neue ‘Sicherheit’ gewertet und mit Kälte abgeblockt. Ihre Kälte ist ihr ‘Notaus-Schalter’. Die Distanz ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern von Unfähigkeit. Sie kann die Intensität der Schuldgefühle und des Schmerzes, den sie verursacht hat, gar nicht verarbeiten. Sie schaltet emotional ab. Es ist ein emotionales Koma, das sie vor der Realität schützt. Sie fühlt sich ‘frei’ und ‘sicher’, aber diese Sicherheit ist auf Sand gebaut, da sie durch die Flucht vor sich selbst entstanden ist.